Sportpolitische Podiumsdiskussion „gemeinsam bewegen“

Die Kluft zwischen arm und reich, zwischen gelebter Bewegungsfreude und -abstinenz, zwischen gesundem und ungesundem Leben hinterlässt Spuren, die auch im Kinder- und Jugendsport sichtbar werden. Auf der einen Seite treten mehr als zwei Drittel aller Kinder und Jugendliche im Laufe ihres Lebens in einen Sportverein ein, viele von ihnen binden sich im jugendlichen Alter an Fitness-Studios oder treiben selbstorganisiert auf Parcours-Anlagen, beim Klettern oder Skaten Sport. Zum anderen fällt es dem Gemeinwesen immer schwerer, in sozial herausfordernden Stadtteilen junge Menschen für Spiel, Sport und Bewegung zu begeistern und sie an diese Angebote zu binden. Besonders hier fehlen für die Kinder aus den Kindertagesstätten, den Grund- und weiterführenden Schulen des unmittelbar angrenzenden Sozialraums gut erreichbare, niederschwellige Bewegungsangebote, die von qualitativ gut ausgebildeten Übungsleiter*innen geleitet werden.

Viel Hoffnung, in diesen Sozialräumen das bewegungsspezifische Angebot zu verbessern, ist neben dem Sportunterricht und dem Vereinssport mit der sogenannten dritten Säule des Kinder- und Jugendsports, dem außerunterrichtlichen Sport in der Ganztagsschule, verbunden. Evidenzbasierte Wirkungen, die auf eine Verbesserung der motorischen Leistungsfähigkeit oder eine verbesserte Gesundheit durch den Ausbau der Ganztagsschule hinweisen könnten, lassen sich bisher nicht nachweisen.

In der Stadt Essen hat das Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften der Universität Duisburg-Essen nach neuen Wegen und Formaten gesucht und sie gemeinsam mit den Schulen, den Vereinen, dem Essener Sportbund, der Jugendhilfe, kommerziellen Anbietern und sozialen Initiativen umgesetzt. Dabei wird klar, dass es nur gemeinsam geht, Kinder und Jugendliche wirkungsvoll zu bewegen. Gegenseitiges Vertrauen muss langsam aufgebaut werden und auch Misserfolge müssen entspannt ausgehalten werden, um den richtigen Weg finden zu können. Ohne Ressourcen, Sportlehrkräfte mit Fakultas, zeitgerechte und sanierte Sportstätten sowie den klaren Blick der Erzieher*innen, Pädagog*innen in den unmittelbar angrenzenden Sozialraum, um Partner, Ressourcen, Potentiale, Stärken der Menschen im Stadtteil zu erschließen, wird es nicht gehen. Dafür benötigen die Akteure Zeit und den Willen zur Kooperation. „gemeinsam bewegen“ bedeutet, Kinder und Jugendliche mit neuem Schwung, neuen Ideen und in einer Partnerschaft mit anderen Institutionen zu bewegen. Darüber soll in diesem Forum mit Entscheidungsträgern im Land NRW diskutiert werden.

Das „Sportland Nordrhein-Westfalen“ steht seit Jahrzehnten für mutige Innovationen, die durch die frühzeitig gesetzte Vision eines „Sport für alle“, die von der bewegungsfreundlichen Kita, der bewegten und gesunden Schule, dem vorbildlichen Lehrplan für das Unterrichtsfach Sport (Stichwörter: „Doppelauftrag“ und „Mehrperspektivität“) bis hin zu den vielen Mädchen und Jungen in den Sportvereinen reicht, auch umgesetzt wurde und wird.

In der Podiumsdiskussion, die unter dem Motto des Kongresses „gemeinsam bewegen“ steht, soll mit Frau Andrea Milz (Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt in der Staatskanzlei NRW), Frau Susanne Blasberg-Bense (Abteilungsleiterin im Ministerin für Schule und Bildung NRW), Dr. Christoph Niessen (Vorstandsvorsitzender des Landesssportbundes Nordrhein-Westfalen) und Prof. Dr. Ulf Gebken (Universität Duisburg-Essen) diskutiert werden, wie das Sportland NRW den kommenden Herausforderungen im Kinder- und Jugendsport gerecht werden kann. Moderiert wird die Diskussionsrunde von der Journalistin Gisela Steinhauer (WDR).

Gisela Steinhauer

Gisela Steinhauer

Moderation